
Periimplantitis: Wie Sie Entzündungen am Implantat früh erkennen und vorbeugen
Ein Implantat kann keine Karies bekommen – das Gewebe darum herum kann sich aber entzünden. Diese Entzündung heißt im frühen Stadium Mukositis, im fortgeschrittenen Stadium Periimplantitis. Wer die Warnzeichen kennt und regelmäßig zur Kontrolle geht, kann viel dafür tun, dass es gar nicht so weit kommt.
Mukositis und Periimplantitis: der Unterschied
Die internationale Klassifikation des World Workshop 2017 unterscheidet zwei Stufen. Die periimplantäre Mukositis ist eine Entzündung der Schleimhaut um das Implantat ohne Verlust von Knochen. Typisches Zeichen ist Bluten bei vorsichtigem Sondieren.
Bei der Periimplantitis kommt zur Entzündung der Abbau des Knochens hinzu, der das Implantat trägt. Sie gilt als plaque-assoziierte Erkrankung – also als Folge bakterieller Beläge. Wichtig: Eine Mukositis ist nach heutigem Verständnis meist umkehrbar, eine Periimplantitis deutlich schwieriger zu behandeln.
Wie häufig sind Entzündungen am Implantat?
Eine viel zitierte Übersichtsarbeit (Derks & Tomasi, 2015) ermittelte als gewichteten Mittelwert eine Mukositis bei 43 % (Spanne 19–65 %) und eine Periimplantitis bei 22 % (Spanne 1–47 %). Die große Spanne zeigt: Je nach Studie, Patientengruppe und Definition fallen die Werte sehr unterschiedlich aus.
Eine neuere Meta-Analyse (Diaz et al., 2022) mit 57 Studien kam auf eine Periimplantitis bei 19,53 % der Patienten und 12,53 % der Implantate. Diese Zahlen sind kein Grund zur Sorge, aber ein guter Grund, die Pflege ernst zu nehmen.

Risikofaktoren: was die Studienlage sagt
Laut dem Konsensusbericht zur Periimplantitis (Schwarz et al., 2018) gibt es starke Belege für drei Faktoren:
- eine frühere chronische oder schwere Parodontitis (Zahnbetterkrankung)
- eine unzureichende Plaquekontrolle – also Beläge, die nicht gründlich entfernt werden
- fehlende regelmäßige Nachsorge nach der Implantation
Für Rauchen und Diabetes bewerteten die Autoren die Datenlage als nicht eindeutig, für Zementreste und fehlende befestigte Schleimhaut als begrenzt. Das heißt nicht, dass diese Faktoren egal sind – mehr dazu im Beitrag Implantate bei Diabetes, Osteoporose und Blutverdünnern.
Bemerkenswert: Eine Periimplantitis kann früh beginnen und verläuft oft nicht gleichmäßig, sondern beschleunigt – schneller als eine Parodontitis an natürlichen Zähnen. Deshalb lohnt sich Früherkennung.
Warnzeichen, auf die Sie achten können
- Zahnfleisch am Implantat blutet beim Putzen oder bei der Reinigung mit Interdentalbürsten
- Rötung oder Schwellung der Schleimhaut rund um die Krone
- Austritt von Eiter oder ein unangenehmer Geschmack
- das Zahnfleisch zieht sich zurück, Metallanteile werden sichtbar
Schmerzen treten oft erst spät auf. Wenn Ihnen eines dieser Zeichen auffällt, lassen Sie es zeitnah zahnärztlich ansehen – in Deutschland bei Ihrem Hauszahnarzt oder nach Rücksprache mit uns.

Behandlung nach der EFP-Leitlinie 2023
Die Europäische Föderation für Parodontologie (EFP) hat 2023 eine S3-Leitlinie zur Vorbeugung und Behandlung periimplantärer Erkrankungen veröffentlicht. Vereinfacht empfiehlt sie:
- Mukositis: verbesserte häusliche Mundhygiene plus professionelle mechanische Reinigung. Antibiotika (lokal oder als Tablette) werden dafür nicht empfohlen. Kontrolle nach 2–3 Monaten.
- Periimplantitis: zunächst eine nicht-chirurgische Reinigung unterhalb des Zahnfleischrands mit anschließender Neubewertung. Reicht das nicht, folgt eine chirurgische Behandlung, danach eine engmaschige Nachsorge.
Welche Schritte im Einzelfall sinnvoll sind, entscheidet die Zahnärztin oder der Zahnarzt nach Untersuchung und Röntgenbild.
Vorbeugen: die wirksamsten Schritte
- Parodontitis vor der Implantation behandeln. Die EFP empfiehlt, eine Zahnbetterkrankung zuerst zu stabilisieren.
- Täglich gründlich reinigen – inklusive Zahnzwischenräume. Tipps dazu im Beitrag Implantate richtig pflegen.
- Regelmäßig zur Nachsorge gehen, auch wenn nichts wehtut.
- Rauchstopp und bei Diabetes eine gute Blutzuckereinstellung – beides empfiehlt die EFP-Leitlinie ausdrücklich.
Häufige Fragen
Kann eine Periimplantitis von selbst ausheilen?
Davon sollte man nicht ausgehen. Eine frühe Mukositis lässt sich durch bessere Pflege und professionelle Reinigung oft wieder zurückführen. Bei einer Periimplantitis mit Knochenabbau ist eine zahnärztliche Behandlung nötig.
Blutendes Zahnfleisch am Implantat – ist das ein Notfall?
Meist nicht, aber ein Warnsignal. Lassen Sie es in den nächsten Wochen kontrollieren, statt abzuwarten. Treten Schwellung, Eiter oder Schmerzen auf, sollten Sie zeitnah einen Termin vereinbaren.
Bin ich mit früherer Parodontitis für Implantate ungeeignet?
Nicht grundsätzlich. Eine frühere Parodontitis erhöht aber das Risiko. Wichtig ist, dass sie vor der Implantation behandelt und stabil ist und dass Sie anschließend konsequent zur Nachsorge gehen.
Quellen
Die Zahlen in diesem Beitrag stammen aus folgenden Studien und Leitlinien (Stand der Recherche: 8. Oktober 2026):
- Berglundh T et al. (2018): Peri-implant diseases and conditions – Consensus report of workgroup 4 of the 2017 World Workshop. J Clin Periodontol 45 Suppl 20:S286–S291. PMID 29926491
- Schwarz F et al. (2018): Peri-implantitis. J Clin Periodontol 45 Suppl 20:S246–S266. PMID 29926484
- Derks J, Tomasi C (2015): Peri-implant health and disease. A systematic review of current epidemiology. J Clin Periodontol 42 Suppl 16:S158–S171. PMID 25495683
- Diaz P et al. (2022): What is the prevalence of peri-implantitis? A systematic review and meta-analysis. BMC Oral Health 22. DOI 10.1186/s12903-022-02493-8
- Herrera D et al. (2023): Prevention and treatment of peri-implant diseases – The EFP S3 level clinical practice guideline. J Clin Periodontol 50 Suppl 26:4–76. DOI 10.1111/jcpe.13823
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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Untersuchung. Ob und welche Behandlung für Sie infrage kommt, lässt sich erst nach Befund und Aufklärungsgespräch beurteilen.


