Behandlung

Implantate trotz Diabetes, Osteoporose-Medikamenten, Rauchen oder Blutverdünnern?

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„Geht ein Implantat bei mir überhaupt?“ – das fragen viele, die Diabetes haben, Osteoporose-Medikamente nehmen oder Blutverdünner brauchen. In den meisten Fällen lautet die Antwort: Ja, aber mit sorgfältiger Planung. Wichtig ist, dass Sie alle Erkrankungen und Medikamente im Vorgespräch offen nennen.

Diabetes

Eine Umbrella-Review aus 2019, die zwölf Übersichtsarbeiten zusammenfasst, berichtet für Menschen mit Diabetes Implantat-Überlebensraten zwischen 83,5 % und 100 %. Drei Meta-Analysen fanden keinen signifikanten Unterschied bei Implantatverlusten im Vergleich zu Menschen ohne Diabetes.

Allerdings scheint ein erhöhter Blutzucker mit einem höheren Risiko für Periimplantitis verbunden zu sein. Viele Studien machten keine Angaben zur Blutzuckereinstellung, und die Qualität der Übersichtsarbeiten war begrenzt. Die EFP-Leitlinie 2023 empfiehlt eine gute Blutzuckerkontrolle als Teil der Vorbeugung.

Praktisch heißt das: Bringen Sie aktuelle Werte (zum Beispiel Ihren HbA1c) zum Gespräch mit. Einen allgemeingültigen Grenzwert, ab dem nicht implantiert werden darf, nennt die Studienlage nicht – die Entscheidung fällt individuell.

Osteoporose-Medikamente (Bisphosphonate, Denosumab)

Bestimmte Knochenmedikamente können sehr selten eine Kiefernekrose (MRONJ) begünstigen. Laut dem Positionspapier der amerikanischen Kieferchirurgen (AAOMS, 2022) liegt das Risiko bei Bisphosphonat-Tabletten bei 0,05 % oder darunter, bei Denosumab zwischen 0,04 % und 0,3 %.

Bei Osteoporose-Patienten sind Implantate laut AAOMS nicht kontraindiziert. Empfohlen werden eine Aufklärung über das geringe Nekrose-Risiko und über ein mögliches frühes oder spätes Implantatversagen sowie eine langfristige Nachsorge. Anders ist es bei Krebspatienten, die diese Medikamente hochdosiert als Spritze oder Infusion erhalten: Hier sollen Implantate laut AAOMS vermieden werden.

Zu einer „Medikamentenpause“ vor dem Eingriff war die AAOMS-Arbeitsgruppe uneins. Auch hier gilt: nur in Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt.

Untersuchung einer älteren Patientin
Untersuchung einer älteren Patientin · Symbolbild

Rauchen

Eine große Meta-Analyse mit 107 Studien (Chrcanovic et al., 2015) fand bei Rauchern eine Verlustrate von 6,35 % (1.259 von 19.836 Implantaten), bei Nichtrauchern von 3,18 % (1.923 von 60.464 Implantaten). Rauchen wirkte sich zudem auf Infektionen und Knochenabbau aus. Die EFP-Leitlinie empfiehlt deshalb einen Rauchstopp.

Blutverdünner

Die schottische Leitlinie SDCEP (2022) stuft Implantatchirurgie als Eingriff mit höherem Blutungsrisiko ein. Sie empfiehlt in der Regel, Blutverdünner nicht einfach abzusetzen:

  • Warfarin/Marcumar-ähnliche Mittel: Behandlung ohne Unterbrechung, wenn der INR-Wert unter 4 liegt (Wert vorher prüfen).
  • Neue orale Antikoagulanzien (DOAKs): nur die Morgendosis am Eingriffstag auslassen oder verschieben – kein vollständiges Absetzen.
  • Aspirin: nicht unterbrechen.
  • Clopidogrel, Ticagrelor u. Ä.: Rücksprache mit der verschreibenden Ärztin oder dem verschreibenden Arzt.

Diese Leitlinie stammt aus Großbritannien; die konkrete Vorgehensweise wird immer individuell und ärztlich abgestimmt festgelegt.

Röntgenbild wird besprochen
Röntgenbild wird besprochen · Symbolbild

Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich

Nach einer Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich ist besondere Vorsicht nötig. Eine Meta-Analyse (Schiegnitz et al., 2022) zeigte, dass Implantate in bestrahltem Knochen häufiger verloren gehen (Odds Ratio 1,97); die mittlere Überlebensrate lag bei 87,8 %. Solche Fälle gehören in die Hände spezialisierter, meist kieferchirurgischer Zentren in enger Abstimmung mit den behandelnden Onkologen.

Was Sie zum Vorgespräch mitbringen sollten

  • eine aktuelle Medikamentenliste (mit Dosierungen)
  • bei Diabetes: aktuelle Blutzuckerwerte
  • bei Blutverdünnern: Name des Präparats und ggf. aktuellen INR-Wert
  • Hinweise auf Osteoporose-Therapie (Tabletten, Spritze, Infusion) und seit wann
  • ein aktuelles Röntgenbild, falls vorhanden – siehe Röntgenbild senden
Dr. med. dent. Hasan Coşkun
Über den AutorDr. med. dent. Hasan CoşkunMitgründer der LHC Clinic, Istanbul
„Zahnmedizin und Implantatchirurgie sind für mich keine Fließbandarbeit, sondern ein Handwerk, das ich für jeden Patienten individuell, millimetergenau und mit deutscher Disziplin sorgfältig ausübe.“

Dr. Coşkun hat an der Charité – Universitätsmedizin Berlin Zahnmedizin studiert (Abschluss 2000) und rund 20 Jahre in Deutschland als Zahnarzt gearbeitet. Er hat bis heute mehr als 10.000 Implantate gesetzt. Heute behandelt er in Istanbul mit Schwerpunkt Implantologie. Aufklärung, Planung und Rückfragen laufen direkt mit ihm – auf Deutsch, ohne Dolmetscher.

Häufige Fragen

Bekomme ich mit Diabetes überhaupt ein Implantat?

In vielen Fällen ja. Studien zeigen bei Diabetes überwiegend vergleichbare Überlebensraten, aber ein höheres Entzündungsrisiko bei schlecht eingestelltem Blutzucker. Entscheidend sind die individuelle Einstellung und konsequente Nachsorge.

Ich nehme Osteoporose-Tabletten – muss ich sie absetzen?

Nicht eigenmächtig. Laut AAOMS sind Implantate bei Osteoporose nicht kontraindiziert, das Nekrose-Risiko bei Tabletten ist sehr gering. Ob eine Pause sinnvoll ist, klären Zahnarzt und Ihre Ärztin oder Ihr Arzt gemeinsam.

Muss ich meinen Blutverdünner vor der Implantation absetzen?

In den meisten Fällen nicht vollständig. Leitlinien empfehlen je nach Präparat unterschiedliche Vorgehen. Die Anpassung erfolgt immer in Absprache mit der verschreibenden Ärztin oder dem verschreibenden Arzt.

Quellen

Die Zahlen in diesem Beitrag stammen aus folgenden Studien und Leitlinien (Stand der Recherche: 8. Oktober 2026):

  1. Umbrella Review (2019): An umbrella review on the effects of diabetes on implant failure and peri-implant diseases. Braz Oral Res
  2. Ruggiero SL et al. (2022): American Association of Oral and Maxillofacial Surgeons’ Position Paper on Medication-Related Osteonecrosis of the Jaws – 2022 Update. J Oral Maxillofac Surg
  3. Chrcanovic BR et al. (2015): Smoking and dental implants: A systematic review and meta-analysis. J Dent 43(5):487–498. PMID 25778741
  4. SDCEP (2022, 2. Aufl.): Management of Dental Patients Taking Anticoagulants or Antiplatelet Drugs – Quick Reference Guide
  5. Schiegnitz E et al. (2022): Dental implants in patients with head and neck cancer – influence of radiotherapy on implant survival. Clin Oral Implants Res 33(10). DOI 10.1111/clr.13976
  6. Herrera D et al. (2023): Prevention and treatment of peri-implant diseases – The EFP S3 level clinical practice guideline. J Clin Periodontol 50 Suppl 26:4–76. DOI 10.1111/jcpe.13823

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Untersuchung. Ob und welche Behandlung für Sie infrage kommt, lässt sich erst nach Befund und Aufklärungsgespräch beurteilen.