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Keramikimplantat oder Titanimplantat? Was die Studien zu Zirkonoxid wirklich zeigen

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Viele Patientinnen und Patienten fragen nach einem „metallfreien“ Implantat aus Keramik. Zirkonoxid-Implantate sind eine echte Option – aber die Datenlage unterscheidet sich deutlich von Titan. Hier ist, was die Forschung derzeit sagt.

Titan: der langjährige Standard

Titan wird seit Jahrzehnten für Zahnimplantate eingesetzt. Die meisten Langzeitstudien über 10 und 20 Jahre beziehen sich auf Titanimplantate – mehr dazu im Beitrag Wie lange hält ein Zahnimplantat?. Einen Überblick über gängige Systeme gibt der Beitrag Straumann, Ankylos, Hiossen.

Keramikimplantate: was die Daten zeigen

Eine Meta-Analyse von Roehling et al. (2018) mit 18 Studien ermittelte für Zirkonoxid-Implantate eine Überlebensrate von 98,3 % nach einem Jahr und 97,2 % nach zwei Jahren. Der Knochenabbau im ersten Jahr lag bei 0,7 mm.

Eine Übersichtsarbeit für die ITI-Konsensuskonferenz (Roehling et al., 2023) mit 6 Studien und 277 Implantaten fand eine Überlebensrate von 97,2 % nach fünf Jahren, keine Implantatbrüche und eine Periimplantitis bei 0,4 %. Die Autoren bewerten Zirkonoxid-Implantate als zuverlässig für bis zu fünf Jahre.

Implantat-Set für die Operation
Implantat-Set für die Operation · Symbolbild

Einteilig oder zweiteilig?

Bei Keramik unterscheidet man einteilige Implantate (Implantat und Aufbau aus einem Stück) und zweiteilige Systeme. In der Analyse von 2023 betrafen fünf der sechs Studien einteilige Implantate. Die einzige Studie zu einem zweiteiligen System zeigte eine Überlebensrate von 93,8 % und die meisten technischen Komplikationen, etwa Brüche des Aufbaus. Ein statistischer Vergleich beider Bauarten war nicht möglich.

Für die Planung bedeutet das: Einteilige Implantate lassen weniger Spielraum bei Winkel und Position, was die Wahl des Systems im Einzelfall beeinflusst.

Titanallergie: wie häufig ist sie?

Eine Allergie gegen Titan ist ein häufig genannter Grund für Keramik. In einer klinischen Studie mit 1.500 aufeinanderfolgenden Implantatpatienten (Sicilia et al., 2008) wurde bei 9 Personen eine Titanallergie festgestellt – eine Häufigkeit von 0,6 %. Ein Test wird dort nur bei Patienten empfohlen, die nach einem Eingriff allergieartige Reaktionen zeigen.

Zahnfarbe wird abgestimmt
Zahnfarbe wird abgestimmt · Symbolbild

Für wen kommt Keramik infrage?

  • bei nachgewiesener Unverträglichkeit gegenüber Titan
  • bei sehr dünner Schleimhaut im sichtbaren Frontzahnbereich, wo ein grauer Schimmer stören könnte – das ist eine ästhetische Abwägung im Einzelfall
  • bei dem ausdrücklichen Wunsch nach einer metallfreien Versorgung, nach Aufklärung über die kürzere Datenlage

Für die meisten Situationen, insbesondere bei mehreren Implantaten, Knochenaufbau oder festsitzenden Brücken, ist Titan aufgrund der langen Erfahrung weiterhin die am besten belegte Wahl. Welches Material zu Ihrer Situation passt, gehört in das persönliche Aufklärungsgespräch.

Dr. med. dent. Hasan Coşkun
Über den AutorDr. med. dent. Hasan CoşkunMitgründer der LHC Clinic, Istanbul
„Zahnmedizin und Implantatchirurgie sind für mich keine Fließbandarbeit, sondern ein Handwerk, das ich für jeden Patienten individuell, millimetergenau und mit deutscher Disziplin sorgfältig ausübe.“

Dr. Coşkun hat an der Charité – Universitätsmedizin Berlin Zahnmedizin studiert (Abschluss 2000) und rund 20 Jahre in Deutschland als Zahnarzt gearbeitet. Er hat bis heute mehr als 10.000 Implantate gesetzt. Heute behandelt er in Istanbul mit Schwerpunkt Implantologie. Aufklärung, Planung und Rückfragen laufen direkt mit ihm – auf Deutsch, ohne Dolmetscher.

Häufige Fragen

Sind Keramikimplantate „gesünder“ als Titan?

Dafür gibt es keine belastbaren Belege. Titan gilt als sehr gut verträglich; eine Allergie ist selten (in einer Studie 0,6 %). Keramik ist eine Alternative, aber mit kürzerer Datenlage.

Halten Keramikimplantate genauso lange?

Die verfügbaren Daten reichen bislang vor allem bis fünf Jahre und zeigen dort gute Überlebensraten (97,2 %). Für 10 oder 20 Jahre fehlen vergleichbare Studien wie bei Titan.

Sollte ich mich vorab auf Titanallergie testen lassen?

Ein routinemäßiger Test wird in der Studienlage nicht empfohlen, sondern nur bei Verdacht, etwa nach allergieartigen Reaktionen. Sprechen Sie bekannte Allergien im Vorgespräch an.

Quellen

Die Zahlen in diesem Beitrag stammen aus folgenden Studien und Leitlinien (Stand der Recherche: 8. Oktober 2026):

  1. Roehling S et al. (2018): Performance and outcome of zirconia dental implants in clinical studies: A meta-analysis. Clin Oral Implants Res. PMID 30328200
  2. Roehling S et al. (2023): Clinical and radiographic outcomes of zirconia dental implants: A systematic review and meta-analysis. Clin Oral Implants Res 34 Suppl 26:112–124. DOI 10.1111/clr.14133
  3. Sicilia A et al. (2008): Titanium allergy in dental implant patients: a clinical study on 1500 consecutive patients. Clin Oral Implants Res. PMID 18705814

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Untersuchung. Ob und welche Behandlung für Sie infrage kommt, lässt sich erst nach Befund und Aufklärungsgespräch beurteilen.